Wie ich unser neolog-Projekt bisher erlebt habe

Markos Sicht:

Wir sind ambitioniert gestartet – fünf Freunde auf der Suche nach frischen Worten für ihren Glauben und ihre Erfahrungen. Wir haben unser kreatives und organisatorisches Handwerkszeug zusammen geworfen: Ziele und Kategorien formuliert, mit Worten gespielt, am Slogan und der Idee hinter der Idee geschraubt und am Design gefeilt. Ist echt hübsch geworden, der Neolog!

Nach dem Release haben wir Woche für Woche Texte hochgeladen, im Monatstakt Telefonkonferenzen abgehalten und versucht, mit unserem vorgegebenen Tempo Schritt zu halten. Wer heute den Neolog besucht, merkt, dass wir aus dem Tritt gekommen sind. Was ist passiert? Mir fällt zweierlei auf:


»auf den Kommentar unter meinem ersten Artikel habe ich immer noch nicht geantwortet (und ihn auch erst Monate später entdeckt – sorry, Björn!)«

1) In unserem „about Neolog“-Text verkünden wir, dass wir ein Gespräch eröffnen wollen. Klingt ziemlich gut. Doch auf den Kommentar unter meinem ersten Artikel habe ich immer noch nicht geantwortet (und ihn auch erst Monate später entdeckt – sorry, Björn!). Mir dämmerte so langsam: Wir machen ein bisschen neo, aber kaum dia und viel Mono-log. Dazu bin ich auch noch eher der ana-loge Typ und auch als Gruppe wissen wir gar nicht so richtig, wie man so ein Gespräch mit vielen Teilnehmern in einer digitalen Welt führt.

2) Außerdem sind unsere Vorstellungen davon, wie es aussieht, wenn neo funktioniert, gar nicht so bewusst reflektiert wie anfänglich gedacht. Von inspirierenden Gesprächen bis zu einer digitalen „weiter-Glauben-Kommunität“ ist es ein weites Feld… (siehe Daniels Erfahrungsbericht).


»Aus den großen Worten „neue Gespräche eröffnen“ zu wollen, ist eher eine Frage geworden: Wie und wo geht das?«

Was machen wir jetzt damit? Wir passen den Rhythmus an – nach einem (für uns) hohen Text-Output und ähnliche langem Stillstand, lassen wir es nun etwas entspannter angehen. Aus den großen Worten „neue Gespräche eröffnen“ zu wollen, ist eher eine Frage geworden: Wie und wo geht das?

Wir probieren es weiter auf unsere Art und Weise. Und wenn wir dann zwischendurch als „etablierte progressive Blogplattform“ geadelt und mit nach Authentizität riechenden Attributen wie „Feld, Wald und Wiesen“ bedacht werden (http://biblipedia.de/2018/01/11/grandioser-start-biblipedia-stuermt-trotz-frauenmangel-die-blog-charts/) – dann gibt das einen Motivationsschub (obwohl den Herren von Biblipedia bei der Zählung aktiv beteiligter Frauen ein kleiner Fehler unterlaufen ist. Aber das kann im Welterklärungseifer schon mal passieren…;)).

 

Daniels Sicht:

Neolog – Eine Idee steht im Raum. Funken sprühen. Der Zauber des Anfangs. Wir sind jung, wir sind viele, wir machen es, für uns, für alle, das wird ganz groß.


»Nach so einem Beginn, denke ich, kann die restliche Erzählung nur wie eine Niederlage klingen«

Nach so einem Beginn, denke ich, kann die restliche Erzählung nur wie eine Niederlage klingen. Ist doch klar, wird ein Außenstehender, vielleicht du, lieber Leser, an der Stelle sagen: Kein Zauber des Anfangs hält ewig. Ihr Neolog-Gründer wohnt in verschiedenen Städten, habt euer Leben dort, eure Jobs, eure Freunde. Wie soll da Dynamik aufrechterhalten werden, wenn ihr nur alle paar Wochen, manchmal alle zwei Monate nur zu viert oder fünft skypet? Wie soll eine Idee so viel Alltag, so viel Zerstreuung und Ablenkung dauerhaft ertragen? Ihr wart euch nichtmal über eure Ziele wirklich im Klaren!

Und Frauen haben sowieso von Anfang an gefehlt. Also mich wundert das nicht, dass ihr mittelweile nur noch selten einen Text rausbringt, dass ihr dazu neigt, das ganze etwas ruhiger angehen zu lassen. Und dass ihr darin wieder mehr das Projekt für euch seht, das formulieren eurer Gedanken für euch und weniger das Liefern für andere, weniger das Mitgestalten an einem wie auch immer gearteten Post-Evangelikalen-Diskurs. Nein, mich wundert das nicht. Facebook, über das ihr Werbung macht, ist sowieso halbtot und nervt nur noch, jeder posaunt seinen Senf raus oder pisst dem anderen online ans Bein. Ich meine, da muss man nur mal den ein oder anderen Thread auf einer facebook durchlesen, da wird’s dir schon schlecht, der Umgangston, die Flachheit des Diskurses, das Gezanke und Gezeter, das will doch keiner. Nein, mich wundert das nicht. Jetzt macht ihr euer Ding, wie es euch in Kram passt.

Ist das eine Niederlage? Manche mögen sagen: Ja. Und es wäre falsch zu behaupten, dass wir hinter den Kulissen unserer doch wirklich geil aussehenden Seite (Danke David!) nicht oft genervt waren.


»Wir haben was gemacht. Und wir machen weiter, so wie wir können«

Aber eine Niederlage? Nein. Wir haben gute, manchmal inspirierende Texte auf unserer Seite veröffentlicht. Wir haben ermutigendes Feedback erhalten. Wir haben was gemacht. Und wir machen weiter, so wie wir können, so viel wie es unseren Gedanken gelingt zu Fingern auf Tasten zu Text in einem Online-Editor zu einem klickbaren Link auf einer Seite zu werden.
Und das ist dann gut so.

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