Warum der Mensch wertlos ist

Schließe deine Augen. Stelle eine innere Sitzkreis-Situation her. Sanfte Himmelsmusik ertönt. Es ist so schön, dass du hier bist. Hier bist du richtig. Du bist geliebt. Du bist wertvoll. Wie es schon in Psalm 139 steht. Du bist mehr wert als alles andere für Gott.

Moment, drück die Pausetaste. Wer hat diesen Gedanken eigentlich in die Welt gesetzt?

Es war einmal ein ganz lieber, lieber Mensch. Er setzte sich mit anderen in einen Arbeitskreis und sagte: „Leute, ich hab was gemerkt. Heidi versaut unsere Teenager. Und wisst ihr, wie sie das macht? Sie setzt ihnen in den Kopf, dass sie sich den ganzen Tag an Schönheitsidealen messen müssen. Und dann denken sie doch wirklich, die armen Dinger, sie wären wertlos. Also kommt, wir erstellen ein Arbeitsmaterial. Hier, ich hab mal ausgerechnet, was der Mensch dem Materialwert nach kostet. Das ist doch ein witziger Einstieg.“

 


»Wir investieren in Menschen, damit sie mal wertvolle Mitarbeiter werden? Wirklich?«

 

Verdammt nochmal! Können wir damit endlich aufhören? Ich bin doch keine Ware, ich bin doch kein Ding! Warum lassen wir uns eigentlich auf diesen fundamentalen Kategorienfehler ein? Reicht es nicht, dass die ganze Welt in einer Marktlogik funktioniert?

Den ganzen Tag muss ich mich kapitalorientierten Logiken unterordnen. Ich muss gucken, wie ich meine Rechnungen bezahle. Ich muss eine Wohnung in einem irrsinnigen Wettbewerb finden, in der meine Gehaltsabrechnung verglichen wird. Ich bin die ganze Zeit nervös, in meinem Lebenslauf nicht zu viele Lücken zu haben. Haha, wobei, wenn ich sie gut erklären kann, darf ich auch mal. Ausnahmsweise. Was ein Bullshit. Und wenn ich nichts erklären mag? So viel wird in meinem Leben verwurstet, weil der Markt es will. Und dann investieren wir in unseren Kirchen und Gemeinden in Menschen, damit sie mal wertvolle Mitarbeiter werden? Wirklich?

 


»Das ist Evangelium, du beseeltes Fleisch«

 

Ich steige da aus. Seit einiger Zeit schon. Ich bin keine Maschine, ich funktioniere nicht. Ich trage den Atem Gottes in mir, ich bin voller atemberaubender Schönheit. Ich habe keinen Wert, ich bin würdevoll! Nimm das, scheiß Kapitalismus! Du magst bestimmen, wie viele Mechanismen in dieser Welt laufen. Aber du kannst mich nicht definieren! Und nicht nur du, ihr alle, die mich zu einer Maschine machen wollt, einem Ding, was funktioniert, oder eben auch mal nicht, weil seine Batterien alle sind. Wo soll ich denn bitte bei mir Batterien einsetzen?

So und jetzt der Appell noch. Können wir das bitte anders machen? In unserer Sprache und unserm Denken? Können wir darauf achten, wie wir reden? Wie wir Wirklichkeit formen? Jetzt alle mal so: Ich investiere nicht in Menschen, ich setze mich für sie ein. Mit jemandem unterwegs zu sein, lohnt sich nicht, es ist nur schön oder tut ihm gut oder whatever. Und das einzige, was ich aufladen kann, ist mein Handy. Ich für meinen Teil könnte auch einfach schlafen.

Das ist Evangelium, du beseeltes Fleisch!

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