Das war Worthaus 7 – Ein Nachruf in 10 Zitaten

Mit seiner siebten Ausgabe kehrte das theologische Bildungsformat Worthaus vergangenes Wochenende nach Weimar zurück. In der Stadt, in der alles anfing, wagte sich Worthaus auf neues Terrain. Mit „die Entstehung Gottes im Kind“ war zum ersten Mal ein Thema der Religionspädagogik Gegenstand „der Suche nach dem unverstellten Blick.“ Ist das Experiment gelungen? Wer nicht dabei war, wird sich ein paar Monate gedulden müssen, bis die ersten Vorträge im Netz erscheinen werden. Als kleinen Vorgeschmack gibt es hier schon einmal einen persönlichen Rückblick in zehn Worthaus-Zitaten:

 


 »Christliche Erziehung soll gute Erziehung sein«

 

Prof. Dr. Friedrich Schweitzer

Möchte man eine Überschrift über fünf Tage Worthaus setzten, wäre dieser Satz wohl geeignet. Christliche Erziehung ist keine verkappte Mission, nicht der naheliegende Weg zur Selbsterhaltung, sondern soll schlicht gute Erziehung aus Glauben und nicht zum Glauben sein. Denn: Glauben kann bekanntlich nur Gott allein bewirken.

 


»Man kann nichts in Kinder hineinprügeln, man kann aber vieles aus Ihnen herausstreicheln«

 

Astrid Lindgren / verwendet von Prof. Dr. Thorsten Dietz

Dieses von Thorsten Dietz als moderner Weisheitsspruch ausgelegte Zitat der schwedischen Kinderbuchlegende kann stellvertretend für den neuen Ton in der christlichen Erziehung gelten, von dem auch Worthaus Zeugnis ablegte. Nicht mehr Gehorsam, Zucht und Strafe, sondern Freiheit, Entfaltung und Zärtlichkeit sind Leitlinien für Eltern und Erziehende.  Dass auch der Christ heute „seine Rute schont“ (Sprüche 13,24) ist zum Glück ziemlich zeitgeistig und das Ergebnis einer langen, im wahrsten Sinnes des Wortes schmerzhaften Lerngeschichte im Umgang mit Kindern.

 


»Erzählen sie dem Kind nichts, von dem sie jetzt schon wissen, dass sie es zurücknehmen werden müssen«

 

Prof. Dr. Siegfried Zimmer

Kindern die Dimension des Religiösen nahezubringen ist längst nicht mehr selbstverständlich. Welche Bibelgeschichten sind noch kindertauglich; wie kann ich in guter Art und Weise meine Tradition weitergeben und dennoch große Freiheit gewähren? Wie rede ich mit Kindern über Gott, wo ich doch selbst so vieles nicht verstehe? Solche ganz persönlichen Fragen waren ein wichtiger Teil von Worthaus 7. Dieser kernige Ausspruch Zimmers kann zur groben Orientierung dienen.

 


»Es geht nicht um Rezepte, sondern um Reife«

 

Prof. Dr. Siegfried Zimmer

Noch eine Zimmer´sche Weisheit gewünscht? – Bitte sehr! Wer seinen Kindern eine heilsame Glaubensperspektive mit auf den Weg geben will, kann den Blick in den Spiegel der eigenen Glaubensreife nicht vermeiden. Da ist es doch gut, dass es Worthaus 1- 6 schon gegeben hat.

 


»Wir sind ein Speichermedium, in dem sich die Erziehungsfehler der letzten 1000 Jahren abgelagert haben«

 

Prof. Dr. Thorsten Dietz

Wer Worthaus 7 aufmerksam hörte, erwischte sich vermutlich schon bald beim Grübeln über begangene oder erlittene Erziehungsfehler. Dass diese letztlich unvermeidlich sind, brachte Thorsten Dietz wunderbar auf den Punkt – auch um anschließend die tröstliche Perspektive zu eröffnen, dass wir in Gott einen heimlichen Miterzieher an unserer Seite wissen können.

 


»Wenn man Kindern Geschichten aus Omas Kindheit erzählt, ist das für sie von der Antike nicht zu unterscheiden«

 

Prof. Dr. Thorsten Dietz

Der rasante gesellschaftliche Wandel macht auch um die Erziehung keinen Bogen. Wie kann man Kinder heute für ein Morgen stark machen, dass noch keiner kennt? Das, wenn es einmal da ist, die Kinder auch immer besser verstehen werden als ihre ergrauten Eltern. Das Problem dieser historisch gesehen immer noch völlig neuen Herausforderung konnte Worthaus zwar benennen, aber natürlich nicht einfach lösen. Es bleibt also spannend.

 


»Ihr seid doch alle selber groß und stark, ich bin doch nicht euer Papa«

 

Prof. Dr. Siegfried Zimmer

Auch wenn er es nicht wahrhaben wollte, Siegfried „Siggi“ Zimmer bleibt selbstverständlich der uneingeschränkte Patriarch von Worthaus. Sechs Vorträge ergingen auch dieses Jahr aus seinem berufenen Munde an die Worthausgemeinde. Er ist nach wie vor auch der Einzige der mit Zeitplänen und Vortragsthemen ziemlich flexibel umgehen darf. Fünf Prozent Augenlicht verbleiben ihm nach eigener Aussage aktuell noch. Seine Vorträge haben daher zwar eine Souffleuse hinzugewonnen, an Lebendigkeit, Spannung und Provokanz hingegen nichts verloren.

 


»Ich sage es mal so, wir hätten sie auch als Frau genommen«

 

Martin Hühnerhof zu Prof. Dr. Langenhorst

An Fachkompetenz hat es den Worthausreferenten nie gemangelt. Dass dies noch lange nicht heißt, ein Format wie Worthaus angemessen bespielen zu können, haben die letzten Jahre allerdings auch gezeigt. Die Referenten des Jahres 2017 waren m.E. ein herausstechender Jahrgang. Doch blieb ein großes ABER! Wer auf Referentinnen gehoffte hatte, wurde auch dieses Jahr enttäuscht. Dies wurde Anlass einer spontanen Podiumsdiskussion zwischen dem Referenten Langenhorst und Worthausvorstandsmitglied Martin Hühnerhof. Langenhorst verlautbarte seine Frau hätte niemals eine Tagung besucht, bei der selbst bei einem pädagogischen Thema keine der vielen möglichen qualifizierten Referentinnen auftauchen würden. Die Aussprache endete mit einem Versprechen für die Zukunft und bei der Verabschiedung des Referenten mit der zitierten Pointe.

 


»Katholische Heilige sind wie Sachbearbeiter für verschiedene Lebensbereiche«

 

Prof Dr. Georg Langenhorst

Worthaus ist ein ökumenisches Projekt, das war auch diesmal nicht zu überhören. Und so verdanke ich dem katholischen Referenten Prof. Dr. Langenhorst die griffigste Erklärung der katholischen Heiligenverehrung die mir bis jetzt begegnet ist – ein Augenzwinkern inklusive.

 


»Es ist ja nicht nur himmlische Fügung, dass Menschen durch Träume und ähnliches zu Worthaus finden – daher liken, posten, teilen«

 

Prof. Dr. Thorsten Dietz

Etwa 250 Besucher waren 2017 in Weimar dabei. Eindeutig, die Worthaus-Euphorie ist ungebrochen. Die kleine theologische Bildungsrevolution geht weiter und es ist nur zu hoffen, dass weiterhin viele Hörer der Aufforderung nachkommen

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4 Comments
  • […] Er war auf allen Worthaus-Tagungen dabei und prägt das Gesamtbild maßgebend. In einem Internetkommentar zu Worthaus 7 war jüngst zu lesen: „Siegfried „Siggi“ Zimmer bleibt […]

  • […] Vorträge. Er war auf allen Worthaus-Tagungen dabei und prägt das Gesamtbild maßgebend. In einem Internetkommentar zu Worthaus 7 war jüngst zu lesen: „Siegfried „Siggi“ Zimmer bleibt selbstverständlich der […]

  • Astrid

    11. Mai 2017 at 17:48 Antworten

    Eine ReferentIN bei Worthaus? Das wäre ja krass! Du meine Güte, was kommt dann als Nächstes – eine NeologIN?? 😉

    („Look-who’s-talking“-)Spaß beiseite: Dass Worthaus nach sieben Jahren (und nach 14 Referenten) noch immer bei einer Frauenquote von 0 % ist, finde ich als langjährige begeisterte Hörerin schon echt grenzwertig.

    😉 Ich weiß noch, wie ich beim ersten Lesen des Programms für Worthaus 5 (?) dachte: „SIMONE Paganini, na endlich!“ – und dann: „Ach nee, doch nicht.“ 😉

    • david

      27. Mai 2017 at 17:26 Antworten

      Ich kann kein Insiderwissen über die Referentenentscheidungen bei Worthaus beisteuern, aber Neolog sucht händeringend nach Frauen, die ihre Perspektive auf den Glauben beisteuern. Wenn du Interesse hast oder jemanden kennst die mag, immer her damit:
      was-ich-noch-sagen-wollte@neolog-blog.de oder auf facebook.
      Dann kann ich den Bereich »die_neologen« auch endlich wieder in »die_neologeninnen« umbenennen.

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